Das können Sie tun

Wenn Sie über längere Zeit niedergeschlagen sind, sich über nichts mehr freuen können und an nichts mehr Interesse haben, sollten Sie sich überwinden und einen Arzt aufsuchen. Werden Sie aufmerksam, wenn Sie bei einem Angehörigen Veränderungen bemerken, die auf eine Depression hindeuten, und versuchen Sie darauf hinzuwirken, dass der Betroffene einen Arzt aufsucht und Hilfe in Anspruch nimmt.

Darüber reden

Familie und Freunde können eine wertvolle Hilfe bei der Überwindung einer Depression sein. Gemeinsame Aktivitäten sorgen dafür, dass sich der Erkrankte nicht völlig zurückzieht.

Auch wenn die Veränderungen, die mit einer Depression einhergehen, von Patient zu Patient ganz unterschiedlich ausfallen, können Fachärzte und Psychotherapeuten durch gezieltes Nachfragen und verschiedene Untersuchungen das Ausmaß der Erkrankung recht gut einschätzen. Dabei sind sie jedoch darauf angewiesen, dass Sie als Patient bereit sind, mitzuarbeiten und offen über Ihre Gefühle, psychischen Belastungen und Beschwerden zu sprechen. Sie dürfen sich sicher sein, dass alle Informationen, die Sie Ihrem Arzt mitteilen, vertraulich sind.

Sich helfen lassen

Die gesicherte Diagnose ist ein erster Schritt auf dem mitunter mühsamen Weg aus der Depression. Ihr Arzt wird Ihnen erklären, wie Ihre Depression wirkungsvoll behandelt werden kann. Grundsätzlich gibt es vier primäre Behandlungsstrategien: die aktiv-abwartende Begleitung ("watchful waiting"), die medikamentöse Behandlung, die psychotherapeutische Behandlung und eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie. Darüber hinaus gibt es weitere unterstützende Maßnahmen.

Den Alltag meistern

Wenn Sie oder ein Angehöriger noch mitten in einer depressiven Phase stecken, mag Ihnen noch die Zuversicht fehlen, doch die Heilungschancen sind sehr gut. Bei den meisten Patienten bessern sich dank Medikamenten und Psychotherapie die Symptome innerhalb weniger Monate. Allerdings bleibt ein Risiko für Rückfälle und das erneute Auftreten von depressiven Episoden.

Gerade in Phasen, in denen es Ihnen schon besser geht, können Sie sehr viel dazu beitragen, schneller gesund zu werden und Ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren. Als Angehöriger eines depressionskranken Menschen sind Sie eine wichtige Stütze auf dem Weg zur Genesung.

Schritt für Schritt:
Wie Sie depressive Phasen überwinden und ihnen vorbeugen können

Machen Sie den ersten Schritt

    Blicken Sie vorwärts. Es braucht Zeit, bis die Therapie Wirkung zeigt. Lassen Sie sich dabei helfen, die Depression zu überwinden.

  • Stellen Sie sich Fragen: Fühle ich mich seit Wochen niedergeschlagen, traurig und hoffnungslos? Habe ich seit Wochen kein Interesse mehr an Dingen, die mir früher Freude gemacht haben? Wenn Sie beide Fragen mit Ja beantworten, könnte eine depressive Erkrankung vorliegen. Einen detaillierteren Selbsttest zur Einschätzung Ihrer Beschwerden finden Sie im Internet auf der Seite der Deutschen Depressionshilfe: www.deutsche-depressionshilfe.de; Menüpunkt: Wissen, Unterpunkt: Selbsttest.
  • Machen Sie sich klar: Eine Depression ist kein Zeichen von persönlicher Schwäche oder Versagen. Sie ist eine ernsthafte Erkrankung, die behandelt werden muss.
  • Verstecken Sie sich nicht. Es hilft, wenn Sie mit Freunden und Angehörigen über Ihre Erkrankung reden. So können diese Ihr Verhalten besser verstehen und Sie auf Ihrem Weg aus der Depression unterstützen.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe.
  • Stellen Sie sich darauf ein, dass es schwierig sein kann, einen freien Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten zu bekommen. Lassen Sie sich nicht entmutigen und bitten Sie z. B. Ihren Hausarzt oder Ihre Krankenkasse um Unterstützung bei der Suche.
  • Bei leichteren Formen der Depression können interaktive Trainingsprogramme im Internet ein guter Einstieg in eine psychotherapeutische Behandlung sowie eine Unterstützung sein.

INTERAKTIVES PERSÖNLICHES ONLINE-PROGRAMM deprexis® 24

Eine wirksame Unterstützung der Therapie ist das Online-Programm deprexis® 24, das auf den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie basiert. Das interaktive Programm ermöglicht einen individuellen Dialog mit dem Patienten. Dadurch ist es möglich, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erfassen und individuell zugeschnittene Übungen und Techniken zur Bewältigung der negativen Gedanken und Gefühle zu vermitteln. Die einzelnen Therapieeinheiten umfassen u. a. Übungen zu Entspannung, Achtsamkeit, Problemlösung, Konflikt- und Vergangenheitsbewältigung. Vor jedem Therapieblock muss der Patient einen detaillierten Fragebogen zu seinem aktuellen Befinden ausfüllen, so dass der Behandlungsverlauf kontrolliert werden kann.

Das zertifiziertes Medizinprodukt deprexis® 24 ist nach wissenschaftlichen Kriterien entwickelt, in mehreren Studien überprüft und wurde vom BGV positiv bewertet. Die Anmeldung ist anonym, die Datensicherheit ist gewährleistet.

Empfohlen wird, das Programm 1- bis 2-mal wöchentlich für jeweils mindestens eine halbe Stunde zu nutzen und die vorgestellten Übungen, Methoden und Techniken dann im Alltag zu trainieren. Insgesamt erstreckt sich das gesamte Programm über einen Zeitraum von etwa 3 Monaten. Die Anwendung von deprexis® 24 ersetzt jedoch keinen Arzt oder Psychotherapeuten.

Weitere Informationen: www.deprexis24.de

Arbeiten Sie am Therapieerfolg mit

    Auch wenn es Ihnen nach einigen Wochen bereits besser geht, müssen Sie die Antidepressiva noch eine Zeit einnehmen, um einen Rückfall zu vermeiden.

  • Suchen Sie sich einen Arzt und Therapeuten, zu dem Sie Vertrauen haben und von dem Sie sich verstanden fühlen.
  • Der Erfolg der Therapie hängt maßgeblich von Ihrem Mitwirken ab. Seien Sie offen und ehrlich zu Ihrem Arzt, Therapeuten und zu sich selbst.
  • Wenn Ihre Depression medikamentös behandelt wird, ist es wichtig, dass Sie die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung einnehmen. Ändern Sie niemals eigenmächtig die Dosierung.
  • Sollten Nebenwirkungen auftreten oder Sie die Medikamente nicht vertragen, sprechen Sie unbedingt Ihren Arzt darauf an. Er kann die Therapie anpassen.
  • Nehmen Sie alle vereinbarten Termine zur Therapiekontrolle wahr und berichten Sie Ihrem Arzt über die Wirkung der Medikamente.
  • Möglicherweise wird Ihnen Ihr Psychotherapeut von der einen bis zur nächsten Behandlungsstunde kleinere Übungsaufgaben stellen. Versuchen Sie, diese Übungen gewissenhaft durchzuführen.
  • Geben Sie Ihrem Therapeuten Rückmeldung, wie Sie mit den Übungen zurechtkommen, und teilen Sie ihm mit, welche Reaktionen die Therapie bei Ihnen auslöst.
  • Zur besseren Einschätzung des Therapieverlaufs kann es hilfreich sein, wenn Sie ein Stimmungstagebuch führen, in dem Sie Ihren jeweiligen Gemütszustand notieren. Diese Eintragungen können Sie bei Ihrem nächsten Arztund Therapeutenbesuch besprechen.
  • Überfordern Sie sich nicht. Erwarten Sie nicht, dass die Depression von heute auf morgen verschwindet. Sie werden langsam, Schritt für Schritt, in Ihren Alltag zurückfinden.

Seien Sie achtsam und beugen Sie depressiven Phasen vor

    Machen Sie Erledigungen oder den täglichen Weg zur Arbeit wenn möglich zu Fuß oder mit dem Rad. Sowohl die Bewegung an der frischen Luft als auch das Tageslicht sind gut für die Psyche.

  • Strukturieren Sie Ihren Tag.
  • Versuchen Sie, Ihren Biorhythmus zu stabilisieren, indem Sie Ihren Schlaf-Wach-Rhythmus verbessern. Halten Sie möglichst jeden Tag feste Aufsteh- und Zubettgehzeiten ein. Beachten Sie bei Schlafstörungen die Grundregeln für einen gesunden Schlaf.
  • Tanken Sie täglich, nach Möglichkeit morgens, etwa eine halbe Stunde Tageslicht. Diese natürliche Lichttherapie unterstützt den Schlaf-Wach-Rhythmus und stärkt das Wohlbefinden.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport. Beim Sport setzt unser Gehirn Botenstoffe frei, die die Stimmung verbessern.
  • Versuchen Sie, Kontakte zu pflegen und am sozialen Leben teilzunehmen.
  • Suchen Sie sich ein Hobby oder eine regelmäßige Betätigung, die Ihnen Spaß macht.
  • Achten Sie auf Ihre körperliche Gesundheit. Dazu gehört eine gesunde und ausgewogene Ernährung.
  • Verzichten Sie auf Alkohol und Drogen. Beides kann nicht nur die Depression verschlimmern, sondern auch die Wirkung der Antidepressiva beeinflussen.
  • Nehmen Sie erste Anzeichen eines Rückfalls ernst und wenden Sie sich baldmöglichst an einen Arzt.
  • Für viele Erkrankte bieten Selbsthilfegruppen eine gute Möglichkeit, über ihre Situation zu sprechen, Erfahrungen auszutauschen und die Erkrankung zu verarbeiten. Informieren Sie sich über Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe. Adressen finden Sie z. B. über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS), www.nakos.de, oder die Deutsche DepressionsLiga, www.depressionsliga.de.

Mit Geduld und Feingefühl:
So können Sie depressionskranke Angehörige unterstützen

    Familie und Freunde können eine wertvolle Hilfe bei der Überwindung einer Depression sein. Zeigen Sie dem Erkrankten, dass Sie für ihn da sind und ihn unterstützen.

  • Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Angehöriger an einer Erkrankung leidet. Es liegt nicht an Ihnen, wenn er sich zurückzieht oder Ablehnung signalisiert.
  • Sie können Ihrem Angehörigen zur Seite stehen und ihn dabei unterstützen, wieder gesund zu werden. Für die Behandlung einer Depression sind jedoch Ärzte und Therapeuten verantwortlich.
  • Erklären Sie Ihrem Angehörigen, dass es Therapien gibt, die ihm helfen können.
  • Ermutigen Sie ihn, zum Arzt zu gehen. Fühlt dieser sich nicht in der Lage, den ersten Schritt zu tun, vereinbaren Sie für ihn einen Arzttermin und begleiten Sie ihn, sofern er es wünscht, zum Arzt.
  • Unterstützen Sie Ihren Angehörigen bei den therapeutischen Maßnahmen. Achten Sie wenn möglich darauf, dass er seine Medikamente nach ärztlicher Anweisung einnimmt.
  • Versuchen Sie, den Erkrankten zu motivieren, aber überfordern Sie ihn nicht. Drängen Sie ihn nicht zu Unternehmungen, wenn er sich dazu momentan noch nicht in der Lage fühlt.
  • Halten Sie regelmäßig Kontakt zu ihm und regen Sie gemeinsame Unternehmungen an.
  • Ermutigen Sie Ihren Angehörigen, Sport zu treiben, möglicherweise auch als gemeinsame Aktion.
  • Halten Sie auch mit anderen Freunden und Bekannten, die dem Erkrankten nahestehen, Kontakt. Bauen Sie ein Netzwerk auf, das den Erkrankten von unterschiedlicher Seite unterstützen kann.
  • Achten Sie auch auf sich. Respektieren Sie Ihre eigenen Belastungsgrenzen. Verlieren Sie nicht Ihre eigenen Interessen aus den Augen. Nehmen auch Sie gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch oder schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige an.

Grundregeln für einen gesunden Schlaf:

  • Gehen Sie möglichst immer zur gleichen Zeit schlafen und schaffen Sie gleichbleibende Abläufe, vielleicht ein kleines Ritual, vor dem Schlafengehen.
  • Vermeiden Sie schwere Mahlzeiten, koffeinhaltige Getränke und Alkohol vor dem Schlafengehen.
  • Lassen Sie den Abend langsam ausklingen. Bereiten Sie sich durch entspannende Tätigkeiten, z. B. Lesen oder Musikhören, auf den Schlaf vor.
  • Nutzen Sie das Bett nur als Schlafplatz. Verbannen Sie den Fernseher aus dem Schlafzimmer.
  • Sorgen Sie für eine behagliche und schlaffördernde Atmosphäre im Schlafzimmer. Der Raum sollte kühl, ruhig und abgedunkelt sein.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie bequem liegen und eine für Sie geeignete Matratze haben.
  • Wälzen Sie sich nicht im Bett herum, wenn Sie nicht schlafen können. Stehen Sie auf und beschäftigen Sie sich mit entspannenden Tätigkeiten.

 

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